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An diesem Buch haben sich folgende Personen nicht beteiligt – obwohl das „Institut für Zeitgenossenschaft“ sie „gerne als Zeitgenossenschaftler gewonnen“ hätte und die „Tür zum Institut“ ihnen „für alle Zeiten“ offensteht:
Norbert Bolz, Gregor Gysi, Judith Rakers, Juli Zeh und Slavoj Žižek.(Auswahl)

Franz Josef Wagner und Peter Slotderdijk sind auch auf der Wunschliste. Schade, dass auch sie offenbar schon anderweitig beschäftigt waren – und für diesen ironisch gebrochenen Band keine Zeit hatten.
Also keine Beiträge der oben genannten – dafür aber zum Beispiel von Katja Eichinger, die über ihr sauteures Lieblingssofa schreibt. Das Sofa weiß nichts davon, aber wir erfahren, dass sie es verachtet. Weil sie für Dinge eigentlich zu klug (Graecum!) und bodenständig (Kuhstall!) ist. Lächerlich ist aber, so Eichinger, Napoleon Bonaparte. Warum, schreibt sie leider nicht, das soll ich mir selber denken. (Russlandfeldzug?) Leider komme ich dabei zu keinem Ergebnis (Latinum!) und spotte deshalb über Katja Eichinger. Allerdings bin ich ihr nie begegnet und in Echt bewundere ich Leute mit Graecum.
Weil sie wenigstens an unsere Quellen gehen könnten, wenn sie denn wollten. Und weil die Ausdrucksfähigkeit komplexer Sprachen so abgrundtief SPANNEND ist. Warum Frau Eichinger dann doch lieber auf ihrem sauteuren Sofa (wichtiges Ding I) liegt und auf einem Riesenbildschirm fernsieht (wichtiges Ding II), erschließt sich mir nicht.

Bemerkenswert zum übrigen Buch ist noch die unbedachte Auffassung (weiterer AutorInnen) von Pflanze, Tier und Organ als „Ding“– eine Einschätzung, die tief blicken lässt. Es lohnt sich leider nicht, hier ins Detail zu gehen, weil ich nicht einsehe, dass ich mir mehr Gedanken zu den Inhalten machen soll, als zuvor die Beteiligten.

Wenden wir uns also den Äußerlichkeiten zu, die für erfolgreiche Zeitgenossen zentral sind: Das Buch ist nämlich tatsächlich ein schönes Ding, denn die komplette Gestaltung der Außenwirkung ist im Gegensatz zum entbehrlichen Inhalt gelungen: interessantes Format, sehr schönes Papier, erstklassige Typographie – offenbar hat man sich Gedanken gemacht: „[…]Wer über Dinge schreibt und ein Wissen über sie in Büchern fördert, erfährt Anerkennung, Qualifikation, Reputation. […]“ (S.211)

Extrem zeitgemäß, soll vielleicht auch ironisch sein. Tatsächlich erfahren wir einfach, warum dieses Buch produziert wurde.
Kaufen Sie es, dafür ist es da, und legen Sie es irgendwohin, wo es die Anderen gut sehen können.

 

El Ouassil, Samira [u.a., Hrsg]: Die 100 wichtigsten Dinge/ Institut für Zeitgenossenschaft.
Ostfildern : Hatje Cantz – Düsseldorf : Im Erscheinen Verlag, 2015. 253 S.
ISBN 978-3-7757-4114-9
20,00 €

Darf im Buch über 100 wichtige Dinge nicht fehlen: ein Bild vom Buch der 100 wichtigen Dinge.

Darf im Buch über die 100 wichtigsten Dinge nicht fehlen: ein Bild vom Buch der 100 wichtigsten Dinge.