Dorit Kloeters: Wälzportraits

– Ein Atelierbesuch von Heike Hinke-Hanke –

Foto von Dorit Kloeters & Wälzportrait (mit Modell)

Dorit Kloeters (r.) mit Wälzportrait und Modell

Prägend für Dorit Kloeters ist vor allem der menschliche Körper. „Der macht Eindruck – im wahrsten Sinn des Wortes“ meint die Künstlerin, die auf Umwegen zur künstlerischen Arbeit gefunden hat. Kulturwissenschaftlerin wollte sie werden, um sich ein Bild von den Gesellschaften der Welt zu  machen. Doch immer wieder zog das expressive Moment des Individuums als Kernzelle der Gesellschaft ihren Blick auf sich.

„Wir alle geben der Welt ein Gesicht“ so Dorit Kloeters und mit dem ihr eigenen Pragmatismus setzt sie diese Überzeugung ins Bild. Die Serie „Wälzportraits“, die derzeit den Ausstellungszyklus „Kunst im Zwielicht“ in der Galerie am Turnerheim bereichert, ist farbfroher Ausdruck davon. „Für die Entstehung dieser Portraits bin ich sozusagen auf Gesellschaft angewiesen“, so Kloeters, „auf Menschen, die Gesicht zeigen.“ Und Kloeters‘ Mit-Menschen zeigen Gesicht: Jeder von ihnen stellt sich der sinnlichen Erfahrung, Farbe – hier haben die Modelle sogar Mitspracherecht – auf das Gesicht aufzutragen und anschließend einen mimischen Abdruck auf einem Blatt Papier zu verewigen.“Man bewegt den Kopf immer um 180° von einem Ohr zum anderen hin und her – so dass sich die Farbe vom menschlichen Antlitz auf den Bildträger überträgt“, erläutert die Künstlerin den kreativen Prozess.

Und sowohl die Individualität des Einzelnen als auch die Symmetrie des menschlichen Körpers findet plötzlich ihren Ausdruck: „Pure Schönheit – und fast ein Psychogramm“ freut sich Dorit Kloeters, die auch Workshops rund ums Wälzportrait anbietet: „Das heißt sogar ‚Rundum-Wälzportraits“ schmunzelt sie und hat wirklich gut Lachen mit ihrer Idee: „Man kann sich so endlich ein authentisches Bild von sich selber machen – und in der heutigen Zeit ist das wirklich etwas wert.“

Die ewige Frage des Menschen „Wer bin ich?“ wird im Wälzportrait auf einen bildhaft zu reflektierenden Level gebracht und mit sinnlicher Erfahrung verbunden. Das ist Fundamentalkunst vom Feinsten.