Ortho-Graph Müller in der Galerie am Turnerheim

Bild der Interviewenten

Heike Hinke-Hanke im Gespräch mit Ortho-Graph Müller

Die Galerie am Turnerheim mausert sich mit ihrer derzeitigen Herbstausstellung zur zentralen Adresse in Sachen „Nachwuchstalente der Regionalkunst“: Ortho-Graf Müller stellt aus – er hat sich Schriftbildern verschrieben. Auf Papier, das seit jeher eine tragende Rolle in der Bildenden Kunst spielt und auch immer schon Schriftträger war. Die Arbeiten changieren von monochrom bis bunt. Immer im Mittelpunkt jedoch: Schriften, Schriftsätze, Buchstaben – salatesk angeordnet oder stringent liniiert. Sie überlagern sich, formen Muster jenseits ihrer selbst, lagern sich, sedimentgleich, übereinander ab, fast bis  zur Unkenntlichkeit miteinander verschmolzen. Müllers aktuelle Ausstellung fasst diese Dynamik – sehr passend- unter dem Titel „schrift bild sturm“ zusammen, bündelt sie zu einem Sturm der Schriften und Bilder, der mit dieser Ausstellung gleichsam entfesselt wird. Heike Hinke-Hanke, Kunstgeschichte Master und neue Kunstbeauftragte des Karfiol, hat mit ihm gesprochen.

H. H.-H.: „Herr Müller-“
O.-G. M.: „Nennen Sie mich Ortho. Eigentlich habe ich zwei Vornamen. Ortho und Graph. Wenn Sie das aber zusammen lesen, klingt es wie „Orthograph“ und alle wissen, es hat mit Rechtschreibung zu tun.“
H. H.-H.: „Ist das ein Künstlername?“
O.-G. M.: „Der Name eines Künstlers ist immer sein Künstlername. Sonst wäre er ja kein Künstler.“
H. H.-H.: „Beschreiben Sie doch einmal unseren Leserinnen und Lesern das Thema Ihrer aktuellen Ausstellung.“
O.-G. M.: „Schriftbilder sind Schriften, die, aufgebracht auf Papier, zu Bildern werden. Ich beschrifte das Papier in mehreren Schichten übereinander. Eine zufällig entstandene Technik, die ich entwickelte, als mir die Formulierung einer Grußbotschaft auf Anhieb nicht gleich gefallen wollte. Die Schichten lege ich übereinander, wieder und wieder, gleich einem nicht enden wollenden Monolog der Zeichen, die immer auf dem Weg zur Wahrheit sind.“
H. H.-H.: „Man könnte also sagen, dass-“
O.-G. M.: „Und dann: „Wahrheit“ – was soll das überhaupt für ein Konstrukt sein,“Wahrheit“? Das Schriftbild stellt sogleich die Frage „wer hat die denn gepachtet?“ Kann man die überhaupt pachten und der Eigentümer behält sie? Sollte man sie nicht besser gleich kaufen, damit man sicher sein kann, dass sie es ist? Jedenfalls, sagen wir mal, ich arbeite mit Zeichen. Das ist wie Kommunikation. Die gibt es. Punkt.“
H. H.-H.: „Und die findet sich in Ihren Bildern wieder?“
O.-G. M.: „Kommunikation?“
H. H.-H.: „Wahrheit.“
O.-G. M.: „Na, wie sieht es denn aus?“