Bildende Kunst und der 1. Weltkrieg

Unter dem so brachial wie angemessenen  Titel „Menschenschlachthaus“ ist „Der erste Weltkrieg in der französischen und deutschen Kunst“ Thema der aktuellen Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum.
Um es gleich zu sagen: Diese Ausstellung ist absolut sehenswert, denn zu sehen gibt es eben nicht die üblichen, durch Kunstgeschichte und -markt abgesegneten „Meisterwerke“.
Thema der Ausstellung ist vorrangig die Wahrnehmung dieses Krieges durch bildende Künstler. Deren Verarbeitung der persönlichen Kriegserfahrungen sind ausgestellt und zeugen von der jeder Beschreibung spottenden, allgemeinen Zerstörung, die sie erlebt und erfahren haben. Und gerade die weniger bekannten Arbeiten zeigen Krieg und Kriegsfolgen weitaus direkter und ungefilterter als allgemein kanonisierte Werke.
Die hier gezeigten Arbeiten sind damit auch Zeugnis dessen, was Kunst kann und eigentlich sollte: Zeigen, was nicht abgebildet oder beschrieben werden kann, in seiner ganzen Intensität.

Otto Dix‘ Mappe „Der Krieg“, bestehend aus 50 Radierungen, wirkt hier – wie schon bei der Erstausstellung 1924 – exemplarisch: die Wucht, mit der sie den Krieg darstellt, entfaltet sich in jeder einzelnen Radierung ebenso wie in der Gesamtwirkung aller Blätter neben- unter- und übereinander: einzelne Motive zeigen das Grauen in kleinen Szenen. Und die formale Uneinheitlichkeit der Mappe als Ganzes – hier Anleihen bei Goya, dort Unfertiges – macht das Unsagbare erst sichtbar, das mal aus einem aufgedunsenem, aufgerissenem Pferdekadaver aufsteigt und einige Blätter weiter nur eine menschenleere Landschaft mit obszön wirkendem Bombenkrater der Phantasie des Betrachters überlässt.

Während die deutschen Künstler das Grauen des Krieges und die Folgen zum Teil äußerst emotional darstellen –  unter anderem Dix und Grosz – erscheinen die Arbeiten der französischen Künstler distanzierter und eher dokumentarisch.
Doch gerade diese Distanz macht das eindrucksvollste Bild der Ausstellung zum Krieg auch zum Erschütterndsten: der „Soldatenfriedhof“ von Felix Valloton.
Dieses unaufgeregt schlichte Bild lässt die Gräber unendlich an Zahl werden, gerade weil der Friedhof durch die Häuser des Ortes begrenzt wird. Dort, im Ort wurden sie,  die Getöteten, vielleicht geboren. Da leben die Trauernden, die verstreut zwischen den Gräbern gemalt sind. Valloton malt die unendliche Homogenität des Todes und das je persönliche Betroffen-sein durch ihn in diesem Bild zugleich.

Diese Ausstellung ist im besten Sinne didaktisch, weil es den Kuratoren gelingt, die Arbeiten der Maler und Zeichner durch Bücher, Fotos,  Filmdokumente und Texttafeln zu begleiten, nicht erklären zu wollen. Das hat der Besucher für sich zu leisten.

 

„Menschenschlachthaus – Der Erste Weltkrieg in der französischen und deutschen Kunst“
im Von der Heydt-Museum Wuppertal vom 8. April bis 27. Juli 2014.
Weitere Informationen: www.menschenschlachthaus-ausstellung.de