„Sackgassen der Bildungsreform“

Dieser schmale Band mit den gesammelten Beiträgen eines Kongresses in Graz, Österreich April 2013 „fand“ mich, und das freut mich.

Denn im Vorwort bringt es einer der Herausgeber, Konrad Paul Liessmann, auf den Punkt: „Man hat ja mitunter den Eindruck, dass die inflationäre Verwendung des Begriffes „Reform“ vor allem eines intendiert: Immunisierung gegen jede Kritik.“
Hier trifft es die „Bildungs“-Reform. Gottlob ist es mir in fast 35 Kunsterzieherjahren nicht gelungen, der allfälligen Immunisierung bequem mich zu ergeben; darum kommen mir diese Texte gerade recht:

„Bildungsreform“: früher, danach, heute und jetzt; jetzt ist gewichtigster Gehalt der Reform: Abitur, somit Bildung für alle zur Hochqualifizierung aller, die arbeiten sollen.
Das sucht man zu erreichen über Richtlinien für Unterricht, die mithilfe von Kompetenzgehacktem Standards implementieren sollen, die Bildung endgültig versaucen.
Der Rezensent ist hier sarkastisch.
Die Beiträge in diesem Buch sind das nicht; versuchen sachlich zu bleiben, was oft schwerfällt.

Hans Peter Klein „Auf dem Weg zur Inkompetenzkompensationskompetenz“ oder Bernd Hackl „Ein gutes Durcheinander. Die Schule und ihr Problem mit dem Bildungsauftrag“.
Nur zwei Vortragstitel, die zumindest Ironie nicht verbergen können.
Weitere Autoren sind u.a. Andrea Liesner, Anke Wegner, Georg Hans Neuweg und Christoph Türcke. Diesen und allen Übrigen ist gemeinsam, dass sie nicht immunisiert sind, sondern besorgt sind um Bildung und deren Vermittlung. Sie sind kritisch und wach.
Das ist auch dringendst geboten, angesichts der Tendenz zur totalen Standardisierung von Lernen und Lehren, die uniforme Ergebnisse will, was zu etwas führt, das nur noch Gleichschaltung genannt werden muss.

Jeder Lehrer – und jeder sonst – sollte sich der Lektüre dieser Vorträge unterziehen, soweit er für sich einen Rest kritischer Vernunft gerettet zu haben glaubt.

 

Liessmann, Konrad Paul und Lacina, Katharina (Hrsg.):
Sackgassen der Bildungsreform:  Ökonomisches Kalkül – Politische Zwecke – Pädagogischer Sinn. Wien: Facultas, 2013. 144 S.
ISBN 978-3-7089-1106-9. 16,90 €