Peter Klusen: neue Gedichte

bikinifigur

allerletzte elefanten
kühe schweine
onkel tanten
stur in der spur
wenn’s gut werden muss
bikinifigur

fein poliertes urinal
fesche fressenpolitur
weihnachten und karneval
hüttenzauberkegeltour
gewehr bei fuß
bikinifigur

kleiner tod geschenkt
dreck fressend huhn
schnell gehenkt
gegrillt vertilgt natur
öl auf der haut
bikinifigur

ex und hopp berliner weiße
im börsenfieber notiert
termingehandelte scheiße
supergeile konjunktur
und krisenfeste
bikinifigur

vergast in aleppo
mundtot in china
die clowns heißen beppo
idiotenkultur
all you can eat
bikinifigur

 

– 1996 schrieb ich von Peter Klusen als dem Narren, der, ins Gebälk verbannt, das Treiben der Menschen unten kommentiert. Traurig zwar, aber in Ironie und Fröhlichkeit gefasst.
Auch Narren altern, müssen herunter, zurück zu den Anderen, die sie vertrieben haben.
Die Narren aber bleiben, wer sie waren und sind: Weise!
2008 erschien der Band „augenzwinkernd“, eine Übersicht seiner lyrischen Arbeit von 1993-2008.
Danach schwieg er. Verlegte sich auf Prosa.
Jetzt schreibt er wieder Gedichte.
Und die sind anders und neu in der Sicht auf die Welt. Bissiger, klarer und geschärft durch die Erfahrung, dass die Menschen im Bemühen menschlich zu werden und zu bleiben, sehr müde geworden sind, und es oft einfach aufgegeben haben.
Klusens Sicht darauf hat sich durch die Melancholie des Alterns geklärt: „So ist es!“ Nichts gibt es zu beschönigen; es ist so: wahrhaftig.
Das ist deshalb Weisheit, weil es ohne fröhlich gemilderte Nachsicht ist, aber mit klarsichtig scharfer Ironie. –

 

tagesschau

am morgen plane ich den tag
beim frühstück schreibe ich einkaufszettel
ich höre kommentare und fußballergebnisse
telefoniere mit klempner dachdecker arzt
und fege die krümel vom tisch

am mittag lese ich zeitungen
das handy bebt und der trockner piepst
ich leere die taschen und fülle die schränke
mit brot milch und rotem wein
und trenne den müll auf dem hof

am abend schau‘ ich zurück auf den tag
während duftdunstig gart das gratin das filet
ich hole den wein das baguette die paté
seh‘ einäugig unscharf ganz fern einen krieg
und stelle die hitze auf null

des nachts träum‘ ich schlaflos
quere die welten die höllen die himmel
ich fühle den eisigen fahrtwind der zeit
das ewige schwanken die fremde das leid
erkenn‘ mich im inneren spiegel so grau

und starre betäubt in die nacht

 

Peter Klusen: augenzwinkernd – eine lyrische Kammersinfonie in drei Sätzen. Trier: éditions trèves, 2008
Striebe, Karl Josef: Ein Narr im Gebälk – Anmerkungen zu Gedichten von Peter Klusen. In: Muschelhaufen (35)1996, S.129