Vernetzt

(und trotzdem falsch verbunden)

– von Uli Wollgarten –

a) Überfluss

Die Politik verbrämt zuweilen scheu und listig,
denn den Akteuren geht es oft um Wählerstimmen.
Derweil sie mit den stärksten Lobbyisten schwimmen,
regiert der Sachzwang unter einem Schlagwort euphemistisch.

Globalisierung kann man kaum genügend preisen,
gestattet sie alleine nicht nur Geld und Waren
im großen Stil sowie die Händler noch vor Jahren
auch Firmen und Fabriken, um die Welt zu reisen.

Der Ort der Herstellung, der Leistung ist jetzt schnell ver-
lagert aus Erfolgsdruck und aus dem der Kosten.
Geiz ist geil genau wie Gier. Darum gen Osten
oder Süden mit den Werken als „Entwicklungshelfer“.

Jedoch erst dann, bewegen Menschen sich in Massen,
beginnt die Brandgefahr, die erst latent und schwelend
nur glomm, und dabei treibt sie nichts als Not und Elend.
Triebfedern duellieren sich, hier Hoffen und da Hassen.

b) Überlauf

Die ihre Heimat hinter sich gelassen, sind Migranten.
Das sind nicht viele, denn die Meisten sind mit ihr verbunden.
Und sesshaft sind auch Sie, sobald die zweite sie gefunden.
Wer von ihr flieht, wird andern Orts zu einem Asylanten.

Steigt deren Zahl, wirkt es auf Ureinwohner alarmierend.
Bedenket aber, dass die meisten Fremden nur verreisen.
Mobilität zum Trotz ist’s einsam in Nomadenkreisen.
Wer seine Heimat flieht, hat Gründe, und die sind gravierend.

Wer vor politischer Verfolgung oder Krieg flieht, dem ist
uns’rer Verfassung nach Asyl in Deutschland zu gewähren,
hingegen Wirtschaftsflüchtlingen der Einlass zu erschweren
der Politik nach. Wenn das nicht ein wenig zu extrem ist.

Worin liegt denn der Unterschied, und wie wird er begründet?
Ist es nicht unerheblich, wer durch welchen Tod bedroht ist,
ob es durch Krieg, den Polizeistaat oder Hungersnot ist.
Zählt Not nicht, und zählt Elend nicht, das in Verrecken mündet?

c) überhaupt

Der Wirtschaftsflüchtling, ein Begriff – klar negativ besetzt –
der Politik in den vergangenen siebziger Jahren
gen Ende im Zusammenhang mit den Asylverfahren,
der angesichts des Elends jede Menschlichkeit verletzt.

Der Wirtschaftsflüchtling, nicht nur Wort im Kreis von Phrasen;
dem Duden nach neutral: Ein Flüchtling der sein Land verlässt,
nicht aus politischem, wohl wirtschaftlichem Grund. – Vergesst
mir dann die Steuerflucht nicht in gleichlautende Oasen.

d) Überdruss

Regelmäßig sind Ressourcen des Planeten endlich;
auch solche, die wir beim Verbrauchen deshalb nicht verlieren,
weil sie im Kreislauf sich befinden und regenerieren.
Ungleicher Zugriff menschheitsweit trotz dem bleibt unverständlich.

Man mag manch Reicherem noch seine prallen Kassen gönnen,
Verhältnismäßigkeit in der Verteilung uns’rer Erde Gaben
sucht man vergeblich. Menschenmassen gibt es, die nichts haben
und wenige so viel, dass sie’s alleine nicht verprassen können.